Faire Weggefährten warten in den Grüben auf Kunden

 

Eröffnung | Sonntag, 30. März | 11 Uhr

Öffnungszeiten | Mi bis Sa 10-18 Uhr | So 13.30-17 Uhr

"Hier haben wir noch was ganz Heißes", sagt Gabriele Kammergruber und zaubert eine kleine Ledertasche in Magenta aus dem winzigen Warenlager hervor, wo sich die Kartons stapeln. Es herrscht Aufregung in den Grüben 125. In nur einer Woche, am Jazzsonntag, 30. März, wird der erste Burghauser Fairtrade-Laden "Fair und Fein" von Ehrenamtlichen eröffnet. "Alles steht und fällt mit dem Warenangebot", weiß Ladenmanager Hans Graf. Mehr als 45 ehrenamtliche Verkäufer und Vorstandsmitglieder wurden bereits in Verkauf, Kassensystem und in Sachen Fairtrade geschult. Möglich gemacht hat das faire Projekt vor allem auch die Stadt, die über die WiFöG den Laden angemietet und das Kapital für Einkauf, Werbung und Renovierung zur Verfügung gestellt hat.

Hunderte Stunden hat das Team um Vorsitzende Birgit Reineke-Reiprich in den vergangenen zwei Monaten seit Vereinsgründung geleistet, während die beiden Einkäuferinnen für die gute Sache durch ganz Bayern und Österreich gefahren sind, um sie zu finden: "Die perfekten Waren für Fair und Fein", wie Margarete Funke zusammenfasst. Für Funke kein fremdes Terrain, war sie doch mehr als zehn Jahre als Einkäuferin und Einkaufsleiterin einer bekannten Münchner Modefirma tätig. Ein toller Job mit vielen Facetten, die bei der Burghauserin jedoch teilweise auch Nachdenklichkeit hinterlassen haben. "Ich habe viele Produktionsstätten besucht und schreckliche Sachen gesehen, die mich seither nicht mehr losgelassen haben. Deswegen bin ich hier und engagiere mich für fairen Handel." Margarete Funke hat außerdem in 16 Jahren auf vier Kontinenten gelebt und gearbeitet und dadurch einen ganz besonderen Zugang zum Thema Fairtrade.

Die beiden Freundinnen wirbeln Kartons und Schachteln herum, ziehen gezielt Waren aus Schubläden und Regalen und zeigen das erste Sortiment: "Wir bieten zum Beispiel alles für die ganze Familie, die auf dem Weg zum Wöhrsee ist", sagt Gabriele Kammergruber. Sie zeigt eine Badetasche aus Afrika, Tücher in Sommerfarben aus Vietnam, Wein aus Südafrika, Limo aus Südamerika, Chips aus Brasilien, Lederbälle und Volleybälle aus allen Teilen der Welt "und feine Gewürze für die Grillparty danach", betont Margarete Funke.

Ideen und Anregungen holten sich die Burghauserinnen auch aus der Region: "Wir haben Fairtrade-Läden in Braunau, Altötting und Laufen besucht. Wir mussten ja erst herausfinden, was die Konsumenten wirklich kaufen, bevor wir uns für Waren entscheiden konnten", berichtet Kammergruber. Die gelernte Arzthelferin wurde vor gut zwei Monaten von Stadträtin Sabine Bachmeier angesprochen, ob sie nicht ehrenamtlich für den Laden als Einkäuferin arbeiten würde. Die stilbewusste Hobbyschneiderin hat sich schließlich wie Margarete Funke für die faire Sache begeistern können. Es folgte die Fairtrade-Messe in Nürnberg und viele Besuche von Fairhandelshäusern in München, Haimhausen und dem österreichischen Seewalchen. "Überall wo wir hinkamen, haben wir auch Läden besucht", sagt Kammergruber. Dort sei man ihnen freundlich und aufgeschlossen gegenübergetreten. "In dieser Branche gibt es keinen Konkurrenzkampf, sondern viel Ehrlichkeit und ein freundschaftliches Miteinander. Es ist tatsächlich eine Welt. Wir haben uns da pudelwohl gefühlt."

Die beiden Frauen, die sich vor vielen Jahren in Singapur über ihre Männer, die beide bei Wacker arbeiten, kennenlernten, waren sich "fast immer" einig bei ihren Käufen für den Laden, aber: "Wir haben eine Wette laufen", erzählt Kammergruber mit einem Lächeln auf den Lippen. Denn jede hatte zwei "Freischüsse", für Waren, die die jeweils andere als nicht so erfolgversprechend einstuft. "Am Ende werden wir sehen, wie es ausgeht und im besten Fall verlieren beide, weil alles verkauft ist", sagt Funke. Welche vier Produkte das sind, wollen die Freundinnen jedoch noch nicht verraten. "Das Resümee gibt es in einem halben Jahr", versprechen sie.

Verraten wird aber schon, dass viel Schmuck aus Horn, Perlmutt, Emaille und Holz zu finden sein wird. "Natürlich gibt es auch die Klassiker wie Tee, Kakao, Schokolade und Kaffee. Das erwarten die Kunden bei einem Eine-Welt-Laden", sagt Kammergruber. Insgesamt werde es sehr farbenfroh und vor allem bei der Taschenvielfalt zeige sich, dass zwei Frauen mit dem Einkauf betraut waren. Aber sehr viel mehr wollen beide noch nicht verraten, außer dass es saisonal immer wieder Spezielles geben wird: "Zur Eröffnung greifen wir natürlich die Themen Frühling und Ostern auf, dann kommt der Muttertag und die Fußball-WM. Wir haben viele Überraschungen im Lager", verspricht Margarete Funke.

Vor allem eines liegt den Einkäuferinnen aber am Herzen und das betonen sie mehrfach: "Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen und wir haben Waren für jeden Geldbeutel." Auch deswegen sei es wichtig gewesen, eigene Einkäufer zu haben. "Das Sortiment muss zu Burghausen passen. Es muss besonders sein und dennoch nicht abgehoben," fasst Kammergruber zusammen. Beide sind sich sicher: "Wir haben weltoffene Bürger, die sich mit der Materie fairer Handel bereits beschäftigt haben, die jedoch auch sehr anspruchsvoll sind." Außerdem hätten sie sehr darauf geachtet, keine direkte Konkurrenz zum umliegenden Einzelhandel herzustellen.

Jetzt, kurz vor der Eröffnung, steigt die Anspannung bei Margarete Funke und Gaby Kammergruber. Dennoch haben die beiden Einkäuferinnen ganz professionell und wie in der freien Wirtschaft schon den Winter im Blick: "Vor der Saison ist nach der Saison. Gedanklich kaufen wir bereits Ware für Herbst und Winter." Und da könnte es vielleicht Alpaka-Mode geben. Aber nun muss "Fair und Fein" erstmal eröffnen.

Quelle: pnp/22.3.14